



© Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Das passt wohl zu diesen Stellen aus dem Evangelium, das Sie gerade gehört haben.
Verraten und verkauft wurde Jesus. Verraten von einem seiner besten Freunde – verkauft für dreißig Silberlinge.
Und man muss ja leider sagen: Das war beileibe kein Einzelfall.
Petrus war der nächste, der ihn verraten hat; gleich dreimal hintereinander.
Und als es wirklich ernst wird, stehen am Ende nicht mal eine Handvoll Freunde und Familie unter dem Kreuz.
Beim Einzug in Jerusalem war die Begeisterung groß. So viele Anhänger, so viele Bewunderer, so viele Freunde.
Aber da, wo es darauf ankam – nicht mal eine Handvoll.
Echte Fründe in dr Nut
jonn ´er hundert op e Lut.
weiß ein bekanntes Lied der Höhner aus Köln.
Und damit sind wir schon bei der (wie immer) entscheidenden Frage angekommen: Was hat dieses Evangelium mit mir und meinem Leben zu tun?
Mir wird in den letzten Jahren immer wichtiger, dass die Texte, die wir hier im Gottesdienst hören, nicht nur die Lebensgeschichte dieses Jesus von Nazareth erzählen, sondern dass sie wichtige Einsichten über das Leben an sich vermitteln.
Und dazu gehört offensichtlich auch diese Erfahrung: Verraten und verkauft zu werden.
Enttäuscht zu werden, ausgerechnet von jemand, von dem wir es nie erwartet hätten.
Für den hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt – und hab´ sie mir ganz schön verbrannt.
Ich bin mir ziemlich sicher: Ihnen geht es nicht viel anders als mir – Sie kennen dieses Gefühl, Sie haben es so (oder ähnlich) auch schon erlebt.
Es muss nicht gleich so massiv sein, wie es dieser Jesus erlebt hat.
Aber grundsätzlich haben Sie das auch schon erlebt: Im Stich gelassen werden – oder sich im Stich gelassen fühlen, ausgerechnet von Menschen, von denen Sie es nicht erwartet hätten.
Und wenn Sie sehr ehrlich mit sich selbst sind, dann kennen Sie vielleicht auch das umgekehrte Gefühl:
Nicht im Stich gelassen werden, sondern selbst jemand anders im Stich gelassen haben.
Wenn ich lange und ehrlich genug nachdenke: Hatte da schon mal jemand Grund, sich von mir im Stich gelassen zu fühlen?
Echte Fründe in der Nut
jonn ´er hundert op e Lut.
Übersetzt könnte man vielleicht so sagen: Wenn Du jemand hast, der wirklich zu dir hält, von dem Du weißt, dass sie dich nie im Stich lassen würde – dann ist das mehr Glück als ein 6-er im Lotto.
Bist Du dir, wenn du so einen Menschen (oder vielleicht sogar eine Handvoll solcher Menschen) hast, dessen bewusst?
Und hast du das auch schon einmal gesagt?
Ihm oder ihr – oder ihnen…
Apropos „gesagt“.
Im Evangelium finde ich zu diesem Thema noch einen weiteren Schritt – und das ist vielleicht sogar der schwierigste.
Jesus spricht diese Erfahrung „verraten und verkauft zu werden“ aus – und zwar nicht hintenrum, sondern „Angesicht zu Angesicht“.
Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen – sagt Jesus zu Petrus.
Offen und unverblümt – von Mann zu Mann.
Jetzt können Sie vollkommen zurecht antworten: Diese prophetische Gabe Jesu habe ich ja nicht, vorher zu wissen, wer mich verraten wird.
Das stimmt. Vorher wissen können Sie es nicht. Und vorher sagen auch nicht.
Aber hinterher.
Es aussprechen und ins Wort bringen, wenn es passiert ist, das können Sie.
„Da, genau in diesem Moment, in dieser Situation hatte ich das Gefühl, dass Du mich im Stich gelassen hast.“
Das könnten Sie schon sagen.
Allerdings braucht es reichlich Mut und noch mehr Überwindung. Und daher ist es sehr schwer – und darum wohl auch sehr selten.
Verraten und verkauft werden.
Wie und wo kenne ich dieses Gefühl aus meinem Leben?
Passiv (im Stich gelassen werden) – und auch aktiv (andere im Stich lassen)…
Und wie sehr bin ich in der Lage, dieses Gefühl, dieses Erlebnis auch zur Sprache zu bringen?
Und zwar nicht hintenrum, sondern da, wo es wirklich hingehört…
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Mit dir, Jesus,
gehe ich nach Jerusalem.
Aber, wer kann das verstehen?
Eben noch Jubel und Hosanna,
und jetzt -
Verrat durch die engsten Freunde,
das Gericht, das Kreuz,
der Tod.
Und wo bin ICH?
Schreie ich mit den anderen?
Hosanna -
und kreuzigt ihn?
Oder verstecke ich mich,
leugne, dazu zu gehören?
Du kennst mich, Herr,
du kennst meine Schwachheit,
du kennst aber auch meinen guten Willen.
Mit dir, Jesus, will ich aufstehen
gegen Hass und Terror,
gegen Unterdrückung und Zwang,
gegen Zweifel und Resignation.
Mit dir will ich aufstehen
gegen alles, was das Leben behindert.
Mit dir will ich einstehen
für alles, was das Leben fördert.
Es genügt nicht,
Hosanna zu rufen.
Darum
sei du meine Kraft,
dass ich aufstehe - mit dir.
nach einem Text von Helene Renner
www.predigtforum.com
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Einen guten Start in eine gesegnete Karwoche
wünscht Ihnen
Ihr
Ulrich Lühring