Zur Baugeschichte unserer Pfarrkirche

In einer Urkunde der Abtei Kornelimünster aus dem Jahr 1303 wird der Ort 'Bredenich' zum ersten Mal schriftlich benannt. Die Pfarrkirche für den Ort war damals jedoch die St. Stephanuskirche in Kornelimünster.

Nach der Aufhebung der Abtei Kornelimünster im Zuge der Säkularisierung errichtete Bischof Berdolet von Aachen die Pfarrgemeinde Breinig und erhob die Breiniger Barbarakapelle zur Pfarrkirche.

Diese Kapelle war im Jahr 1731 durch Hyazinth von Suys, Abt von Kornelimünster, errichtet worden. Sie stand längs, mitten auf der damaligen 'Hauptstraße', der heutigen Straße 'Alt Breinig' (ziemlich genau quer vor dem heutigen Hauptportal - auf dem jetzigen Vorplatz der Kirche). Sie war nur 6,50 m breit und 13,00 m lang (also etwa so lang, wie die heutige Kirche breit ist).

Schon 1819 - also wenige Jahre nach der Pfarrgründung - wurde die Kirche in einem Baugutachten als sehr reparaturbedürftig und in einem zweiten Gutachten als viel zu klein bezeichnet. Auch in Breinig war im frühen 19. Jahrhundert die Bevölkerungszahl und damit zugleich die Zahl der Gläubigen stark gewachsen.

In den nächsten Jahren wurden mehrere Erweiterungs- und Sanierungsprojekte für die Kapelle (mit verschiedenen Umbauten und Anbauten) entwickelt. Alle diese Projekte kamen jedoch nicht zum Tragen - im Wesentlichen, weil man dazu ein Grundstück vor dem damaligen Eingangsbereich der Kirche (Richtung 'Neustraße' brauchte, das aber nicht zu erwerben war.

Obwohl die alte Kapelle immer mehr verfiel und man 1839 sogar dem Landrat melden musste, dass der Kirchturm einzustürzen drohe, dauerte es noch bis 1846, ehe neue Überlegungen zur Sanierung begannen. Dieses Mal wurde Johann Peter Cremer (Landbauinspektor des Regierungsbezirkes Aachen) mit dieser Aufgabe betraut. Cremer konnte nur noch feststellen, dass die alte Kapelle inzwischen derart baufällig geworden war, dass Anbauten oder Umbauten nicht mehr möglich waren, sondern nur ein völliger Neubau in Frage kam.

 

Neubauprojekt 'Pfarrkirche St. Barbara'

Johann Peter Cremer begann mit der Ausarbeitung eines Neubauprojektes, das damals auf 1.050 Pfarrangehörige ausgelegt war. Schon bald stellte sich aber heraus, dass dieser Entwurf für den Standort der alten Kapelle viel zu groß war, vor allem, wenn man die traditionelle Ausrichtung des Chores nach Osten beibehalten wollte. Ein Vorschlag war, einen ganz anderen Bauplatz an einer anderen Stelle des Ortes zu wählen, andererseits wollte man aber doch den alten Standort in der Mitte des damaligen Ortes beibehalten.

Die Lösung kam unverhofft im Jahr 1851, als neben der alten Kapelle zwei große Grundstücke zu kaufen waren. Wer auf die Idee kam, den Chor der neuen Kirche nicht mehr nach Osten, sondern nach Norden auszurichten, ist nicht überliefert. Auch nicht, wann und nach welchen Diskussionen sich die Gemeinde für diese Lösung entschlossen hat.

Jedenfalls arbeitete Cremer einen ersten Entwurf aus, der nach Billigung durch Kirchenvorstand und Gemeinderat am 9. März 1852 vom Landrat der Regierung vorgelegt wurde. Von diesem Projekt blieben die Pläne erhalten.

 

Im Widerstreit der Architekturstile

Die Pläne Cremers wurden von der Aachener Regierung und vor allem vom Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln revidiert. Seitens der Regierung verlangte Baurat Theodor August Stein den Wegfall des geplanten Treppentürmchens in der westlichen Ecke zwischen dem Hauptturm und der Eingangsfassade, während Weihbischof Baudri, gestützt auf ein Gutachten des Kölner Baumeisters Vinzenz Statz zahlreiche und wesentliche Änderungen wünschte. In diesen Änderungswünschen äußerten sich vor allem ein Widerstreit der Architekturauffassungen. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Spätklassizismus (dem Cremer in seinen Plänen verwandt war) zugunsten der Widerbelegung historischer Stile (Neugotik, Neuromanik) zurückgedrängt. Vor allem die rheinische Kirche (sprich das Erzbistum Köln) sah in gotischen Formen den besten Ausdruck für katholische Kirchenneubauten.

Während der Grundriss der Kirche und auch der Aufriss des Turmes beibehalten wurden, kam Cremer verschiedenen Änderungswünschen nach: Die beiden heutigen Seiteneingänge wurden eingefügt, die Treppe im Turm wurde wunschgemäß auf die andere Seite verlegt und in der Chorwand wurde ein Fenster eingefügt.

St. Barbara in Breinig war der erste Kirchbau, den der Architekt Cremer von Grund auf in neugotischen Formen entwarf. Seine früheren Kirchenbauten hatte er nach den Regeln des Klassizismus und in neuromanischen Formen konzipiert (oder erst nach Drängen der Oberbehörden nach neugotischen Regeln umgestaltet). Möglicherweise war in Breinig auch der Wunsch der Gemeinde für die Stilwahl entscheidend, welche eine Kirche erbat, die der früheren Pfarrkirche des Ortes, also St. Stephanus in Kornelimünster, möglichst ähnlich sein sollte.

 

Baubeginn und Bauprobleme

Am 11. August 1852 wurde der Neubau an den Unternehmer Peter Jerusalem aus Eupen vergeben. Bereits 14 Tage später erteilte das Bistum die Genehmigung zur Einsegung des ersten Steines. Leider ging der Bau aber nicht in diesem Tempo weiter. Während des Winters mussten die Maurerarbeiten komplett unterbrochen werden, nur die Bearbeitung und Vorbereitung der Werksteine wurde weitergeführt.

Der Architekt Cremer hatte ursprünglich Breiniger Kalkstein für das gesamte Mauerwerk vorgesehen. Im Frühjahr 1853 ging er davon ab und verfügte für die Verblendung der Außenfläche einen Stein, der bei Venwegen anstand. Für die Zierformen und die Hintermauerung blieb man beim Breiniger Material. Als Grund für diese Änderung gab Cremer an, dass der Breiniger Stein allein kein trockenes Mauerwerk ergeben würde.

Mit dem Hochziehen der Außenmauern, der Aufbringung der Dachstühle und der Eindeckung, dann der Aufrichtung der Säulen ging es zunächst zügig weiter. Ende 1853 verzögerte sich dann aber der Baufortgang. Der Unternehmer Jerusalem war in der Errichtung massiver Gewölbe unerfahren. Nachdem er durch einen Gerichtsvollzieher an seine Verbindlichkeiten erinnert worden war und Architekt Cremer selbst das entsprechende Material (einen Schwemmstein) besorgt hatte, begann 1854 das Einwölben. Aber kurz nach dem Einbau stürzte 1855 das Chorgewölbe ein.

Es stellte sich heraus, dass eine ständige Bauaufsicht nötig war, die weder vom Architekten Cremer noch vom Baukomitee der Gemeinde zu leisten war. Spezielle Bauleiter wurden eingestellt, zuerst ein Bauaufseher Eschweiler, später dann Bauführer Franz Reinckens.

Dabei hatte man aber offenbar den Bock zum Gärtner gemacht, denn Reinckens konnte sich nicht nur überhaupt nicht durchsetzen, er ließ seine Bauunterlagen im Wirtshaus liegen und ließ sich die Fassadenzeichnungen stehlen.

So übernahm schließlich Architekt Cremer wieder selbst die Bauleitung und führte den Bau zur Vollendung.

 

Einweihung der neuen Kirche

Am 23. November 1855 wurde dem Landdechanten des damaligen Dekanates Burtscheid vom Erzbischof in Köln die Erlaubnis zur Einsegnung des Neubaus erteilt. Am 4. Dezember 1855, dem Namenstag der Pfarrpatronin, konnte die Gemeinde erstmals in ihre neue Kirche einziehen.

Die feierliche Kirchweihe erfolgte erst 13 Jahre später, nämlich am 28. Juni 1868.

Die Kosten für den Neubau beliefen sich bis dahin auf 15.000 Taler. Diese Summe wurde, wie es seit der Säkularisation die Regel war, zum größten Teil von der Zivilgemeinde aufgebracht. Hinzu kamn Spendengelder und ein seit 1841 angesammeltes Vikarsgehalt.

Bis dahin stand aber auch noch die alte Kapelle. Sie wurde am 17. März 1856 der Zivilgemeinde zum Verkauf des Materials übergeben.

 

Renovierungen und Umgestaltungen

Die Seitenfenster der Kirche waren zunächst farblos verglast. 1888/89 (also nach über 30 Jahren) bekam die Kirche farbige Glasfenster, die von Clemens Winkhold aus Eupen entworfen und gearbeitet wurden.

Zur Zeit der Einweihung war die Kirche im Inneren weiß getüncht und nur mit einigen 'Abfärbungen' versehen. Diese Fassung wurde 1864 verändert. Im Kirchenvorstandsbuch wird von 'Dekorationsarbeiten' berichtet, die 'im gothisch gerechter Weise' ausgeführt werden sollten.

1930 zeigte sich, dass die Wetterseite der Kirche so durchfeuchtet war, dass Teile des Putzes abgeschlagen werden mussten. Anschließend wurden die Innenflächen komplett neu übermalt.

1961 wurde unter der Leitung von Architekt Wilimzig die alte, neugotische Ausmalung wieder hergestellt bzw. im neugotischen Stil ergänzt. In dieser Zeit wurden von Paul Weigmann drei neue Chorfenster (also auch eines in der Stirnwand) neu konzipiert.

In einer weiteren Renovierungsphase von 1977 bis 1979 (unter der Regie von Pfarrer Hermann Frey) wurde diese Fassung von 1961 aufgegeben und durch Architekt Heinz Kaldenbach der Kirche eine neue, moderne Farbgebung gegeben. Damit verbunden war auch eine grundsätzliche Neugestaltung des Chorbereichs entsprechend den liturgischen Neuerungen des 2. Vatikanischen Konzils. Die Sakristei wurde komplett neu gebaut, der westliche Choranbau wurde in eine Sakramentskapelle verwandelt und der Chorraum wurde in Richtung auf den Gemeinderaum vorgezogen.

Bei der Neugestaltung des Chorraumes wurden der alte Hochaltar und die Kommunionbank aufgegeben und Teile der Kommunionbank bzw. der Unterbau des Hauptaltares wurden in den jetzigen Altar bwz. in die Tabernakelstele verbaut (Entwurf: Sepp Hürten/ Köln; Ausführung: Rudolf Hennecken/ Breinig - Altar: Robert Hackenbruch/ Breinig). Die alten Reliquien der hl. Ursula wurden neu versiegelt und im neuen Reliquiengrab im Altar beigesetzt.

Die Altarweihe des neuen (jetzigen) Altares erfolgte am 17. Juni 1979.

 

Innenrenovierung 2008

Über die jüngste Innenrenovierung 2008 informieren wir auf der nächsten Seite.

IMG_5200 (c) Ulrich Lühring