Hermann Frey: Die Korfmacher-Orgel von St. Barbara

Die Korfmacher-Orgel gehört zu den kostbarsten Stücken der Kirche und zu den wertvollsten Orgeln der Orgellandschaft des Großraumes Aachen. Der Linnicher Orgelbauer Wilhelm Korfmacher (1787-1860) wurzelt in der Tradition der rheinischen Barockorgel. Für die Breiniger Orgel gilt, was Dr. Franz Josef Vogt über das von Korfmacher von 1845 bis 1847 gebaute Instrument des Aachener Münsters schreibt, nämlich 'dass das Hauptwerk noch einen spätbarocken Klangaufbau zeigt'. Das Unterwerk weist dagegen 'bereits unverkennbar romantische Tendenzen auf' (H. Hilberath). Vogt erinnert schließlich daran, dass Korfmacher 'auf Anregungen aus dem wallonisch-französichen Raum zurückgegriffen hat'.

Der erste Eingriff in das Instrument geschah 1919 durch die Orgelbauanstalt Stahlhut/ Aachen. Register wurden umintoniert, die mechanische Traktur durch eine pneumatische ersetzt.

Ein weit schwerwiegenderer Eingriff wurde 1946 vorgenommen. Die Arbeiten wurden ausgeführt durch die Orgelbauanstalt Bach/ Aachen. Die Orgel erhielt einen neuen, fahrbaren Spieltisch, 5 Register wurden ausgetauscht, der Umfang des Pedales wurde erweitert und die Stimmung wurde von der ursprünglichen, romantischen Intonierung auf „Normalhöhe“ gebracht. 1978 urteilte der Orgelsachverständige des Bistums Aachen, Viktor Scholz, über diese Maßnahme: „Damals wurde die Orgel völlig umgebaut.“

Zu Beginn des Jahres 1976 war eine Reparatur der Orgel in drei Bauabschnitten geplant. Viktor Scholz verhinderte diese Maßnahme. Er legte am 01.04.1978 für das Musikreferat des Bistums Aachen und für den Kirchenvorstand ein Gutachten vor, das so endet: „Fazit: musikalisch und technisch ist die Orgel wertlos.“

Herr Scholz plädierte für einen Orgelneubau, bat aber die aufgeforderten Orgelbauer um einen Alternativvorschlag. Der Orgelbauer Fritz Schild (Inhaber der Firma A. Führer Orgelbau/ Wilhelmshaven) unterbreitete alternativ den Vorschlag, die Orgel zu restaurieren: „Es ist sogar zu erwarten, dass die alten Pfeifen der Orgel eine Klangwärme und Klangfülle verbreiten, die mit neuen Pfeifen nicht zu erreichen ist.“ Dieser Vorschlag fan die Zustimmung des Kirchenvorstandes. Herr Schild beschäftigte sich nun intensiv mit dem rheinischen Orgelbau in der Mitte des 19. Jahrhunderts und ganz besonders mit Korfmacher. Herr Prof. H. Hulverscheidt, Orgelsachverständiger des Landschaftsverbandes Rheinland, und Herr Studiendirektor H. Hilberath geben ihm wertvolle Hinweise. Am 17.10.1979 legte Herr Schild sein Kozept der Orgelrestaurierung vor. Am 25.08.1980 beschloss der Kirchenvorstand einstimmig, die Orgel durch die Firma Führer restaurieren zu lassen. Das Bistum Aachen genehmigte die Maßnahme am 20.11.1980. Vom 11.-13.05.1982 wurde die Orgel ausgebaut und nach Wilhelmshaven transportiert.

Der Wiederaufbau des Instrumentes begann am 04.10.1982, die Orgelweihe fand statt am 04.12.1982 dem Fest der Pfarrpatronin Barbara.

Die Orgel verfügt jetzt über 27 Register auf zwei Manualen und dem Pedal: Hauptwerk 1 Register, Unterwerk 10 Register, Pedal 6 Register. 8 Register mussten nach alten Vorbildern neu angefertigt werden. Bei 9 Registern wurden 113 Pfeifen ergänzt. Bei dem überwiegenden Teil handelt es sich aber um original signierte Pfeifen Korfmachers.

Herr Prof. Hulverscheidt urteilte in seinem Gutachten am 05.07.1983: „Die Klangfarben sind charakteristisch wiederhergestellt, die An- und Absprache der Pfeifen ist präzis. Der Gesamtklang ist geschlossen, deutlich, romantisch, gravitätisch, satt. Dem Orgelbau Führer möchte ich für seine umsichtige, einfühlsame und forschende Arbeit danken“.

Den Prospekt, das alte Originalgehäuse der Breiniger Orgel, fertigte der Kölner Bildhauer Christoph Stephan an, dem 1859 die Restaurierungsarbeiten am Clarenaltar des Kölner Domes übertragen wurden. Den Kontakt zu Stephan hatte der in Breinig geborene, spätere Kölner Domkapitular Dr. Braun hergestellt.

Quelle:
Kunstgegenstände in der Pfarrkirche St. Barbara in Stolberg-Breinig (= Breiniger Heimatblätter, Bd. 4)
hg. vom Eifel- und Heimatverein Breinig
(Eigenverlag des Eifel- und Heimatvereins, Breinig - 1995)

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