Restaurierung des historischen Blasebalges (2015)

Schäden am Blasebald entdeckt

Bei den umfangreichen Arbeiten der Erhaltungssanierung 2009 haben die Orgelbauer der Firma Weimbs leider festgestellt, dass der große Blasebalg, welcher die Orgelpfeifen mit dem nötigen Wind versorgt, bei der Grundrestaurierung 1982 lediglich geflickt, aber nicht restauriert wurde. Mittelfristig musste der Blasebalg komplett erneuert werden, was aufgrund der engen Platzverhältnisse sehr aufwändig ist. Beim Ersteinbau konnte Korfmacher den Blasebalg über die Orgelbühne in die enge Turmkammer einbauen. Jetzt ist dieser Weg aber durch die Orgel selbst versperrt, der Weg über das Treppenhaus im Turm ist viel zu eng, die Fenster sind zu schmal, so dass nur der Weg bleibt, den Blasebalg vor Ort komplett in seine Einzelteile zu zerlegen, um die nach dieser langen Zeit porös werdende Luftkammer mit neuem Leder zu beziehen.

Der Orgelsachverständige im Bistum Aachen, Herr Ulrich Peters, schrieb in seinem Abschlussgutachten vom 07.05.2009: „Die Balganlage zeigt deutliche Alterungsspuren, das Leder muss spätestens in einigen Jahren ausgetauscht werden. Die Anlage ist eine gut bemessene und solide Konstruktion, die sich im sehr beengten Turmraum befindet. Restaurierungen und Reparaturen mit langfristigem Erfolg werden normalerweise in der Werkstatt durchgeführt. Ein Ausbau ist in diesem Fall aber unmöglich, da sich die fest installierte Konstruktion weder über die Empore, noch durch das Treppenhaus abtransportieren lässt. Eine Aufarbeitung kann also nur vor Ort mit geschicktem, kraftaufwendigem Teilabbau erfolgen, dazu müssen Gerüste und Hilfskonstruktionen aufgebaut werden. Insgesamt bedeutet das einen enormen Aufwand, der mehrere Wochen mit zumindest zeitweise mehreren Arbeitskräften erfordert.
Die zum Zeitpunkt der Orgelrenovierung festgestellten Undichtigkeiten wurden durch die Fa. Weimbs zwar notdürftig beseitigt, aber Funktionssicherheit über einen längeren Zeitraum kann nicht garantiert werden.
Angesichts der Wertigkeit der bedeutenden historischen Korfmacher-Orgel mit der jetzt sehr erfolgreich abgeschlossenen Renovierung und noch einmal mehr erreichten klanglichen Verbesserung durch die Orgelbaufirma Weimbs, ist die Durchführung dieser abschließenden Balgreparatur mit gutem Gewissen zu empfehlen.“

 

Finanzierung des Projektes

Die Kosten der Maßnahme wurden durch die Orgelbauer mit ca. 30.000 € beziffert. Da die Pfarrgemeinde St. Barbara nicht über die notwendigen finanziellen Mittel zur Durchführung dieser Maßnahme verfügte, begann der Förderverein St. Barbara, Breinig e.V. damit, aus den Erlösen der Pfarrfeste und aus Spenden seiner Mitglieder eine Rücklage für dieses Projekt zu bilden.

2014 erhielt der Förderverein St. Barbara von der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen eine projektbezogene Förderung von 3.000 €.

2015 erhielt die Kirchengemeinde vom Landschaftsverband Rheinland aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung eine Förderzusage von 14.000 €.

Zusammen mit den Rücklagen des Fördervereins St. Barbara war damit die Finanzierung des Projektes gesichert und der Orgelbaufirma Weimbs konnte der Auftrag erteilt werden.

 

Liebevolle Restaurierungsarbeit der Orgelbauer

Nach den Osterfeiertagen und den beiden Erstkommunionfeiern in Breinig wurde die historische Orgel am 21.04.2015 (im wahrsten Sinne des Wortes)  „stillgelegt“. Die komplette Balganlage (mit Luft gefüllt etwa 2x2x2 m groß) musste von den Orgelbauern Christoph Morschhäuser und Sebastian Schmidke vor Ort in die kleinsten Einzelteile zerlegt werden. Die größte Arbeit bestand dann darin, einen neuen „Lederbalg“ zu nähen. Dafür wurde französisches Ziegenleder verwendet, das weich genug für die Verarbeitung ist und gleichzeitig der Beanspruchung über viele Jahrzehnte standhält. Wie bereits zu Korfmachers Zeiten wurden die Dichtungen mit Papier und keineswegs mit modernen Abdichtungsmitteln hergestellt.

Nach vier Wochen Arbeit in der Hellenthaler Orgelwerkstatt war es dann so weit. Die Orgelbauer  bauten die neue Balganlage drei Tage lang vor Ort ein. Nachdem die letzten Orgelpfeifen, die für den Einbau entfernt werden mussten, wieder an ihrem Platz waren, konnte Kirchenmusiker Franz Körfer wieder „seine Orgel“ spielen. Die Orgelbauer ließen es sich dabei nicht nehmen, in die Rolle des „Kalkanten“ zu schlüpfen, so nennt man ja denjenigen, der den typischen Tretbalg betätigt. Der vor 150 Jahren eingebaute „Schöpfer“, ein großer Fußhebel, der den Blasebalg mit Luft füllt, funktioniert jetzt (wie es sich für eine historische Orgel gehört) wieder einwandfrei. Damit ist die Breiniger Orgel jetzt auch ganz ohne Strom komplett und ohne jede Einschränkung spielbar. Vor 150 Jahren waren es wohl Messdiener, die statt am Altar zu dienen den Blasebalg der Orgel treten durften. In Breinig war dafür nur ein Bälgetreter vorgesehen, der allerdings, wenn der Organist alle Register zog, schon durchaus sportlich sein musste. Außerdem musste der Kalkant darauf achten, immer einen regelmäßigen Druck zu erzeugen, was bei wechselndem Spiel mit wenig bzw. viel Registern gar nicht so einfach ist. Im normalen Betrieb wird es natürlich ein elektrisches Gebläse sein, das den neuen Blasebalg mit Luft füllt.

Kirchenmusiker Franz Körfer zeigte sich beim ersten „Testspiel“ vom Ergebnis restlos überzeugt. „Man hört natürlich im Klang keinen Unterschied. Aber es ist wichtig, dass wir diesen ‚wertvollen Oldtimer‘ in einem guten Zustand erhalten.“

Pfarrer Lühring dankte abschließend den Orgelbauern und allen Sponsoren und Spendern: „Hoffen wir, dass der neue Blasebalg auch wieder 150 Jahre hält. Dann können sich unsere Nach-Nach-Nachfolger dann wieder um einen neuen Blasebalg kümmern.“

Beim Pfarrfest 2015 erklang die Korfmacherorgel dann erstmals bei einem "Orgelkonzert unplugged", also ganz ohne Strom, wobei Pfarrer Lühring den Tretbalg bediente, während Franz Körfer die Orgel spielte. Bei Turmführungen konnte sich dann auch die ganze Gemeinde den neuen, alten Blasebalg vor Ort ansehen und den Tretbalg bedienen.

 

Nächste Erhaltungssanierung geplant in 2030

Auch wenn die historische Korfmacherorgel jetzt in einem optimalen Zustand ist und von der Orgelbaufirma Weimbs jährlich sorgfältig gewartet wird, steht in etwa 20 Jahren, also grob im Jahr 2030 wieder eine Erhaltungssanierung an, bei der alle Pfeifen ausgebaut und gereinigt werden (wie bereits im Jahr 2009).

Die Kirchengemeinde und der Förderverein St. Barbara haben damit begonnen, für diese Erhaltungssanierung, deren Kosten auf etwa 35.000 € geschätzt werden, Rücklagen zu bilden.

Spieltisch 3 (c) Ulrich Lühring