Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig

Geistlicher Impuls zum Sonntag - 08. März 2026

Vom eigentlichen Durst des Menschen

1955_trinkende_frau_by_peter_weidemann_pfarrbriefservice (c) Markus Glaser (Skulptur) / Peter Weidemann (Foto) - pfarrbriefservice.de
1955_trinkende_frau_by_peter_weidemann_pfarrbriefservice
Datum:
Do. 5. März 2026
Von:
Ulrich Lühring

Das Gegenteil von heiß ist – kalt.
Das Gegenteil von hungrig ist – satt.
Und das Gegenteil von durstig?

Tja – Fehlanzeige!

Die Deutsche Sprache kennt kein Wort für den Zustand, nicht durstig zu sein.
Man kann den Durst nur verneinen: Ich habe keinen Durst.
Selbst „un-durstig“ gibt es nicht im Duden.

Sprachwissenschaftler haben als Pendant zu satt das Kunstwort "sitt" eingeführt, das es zeitweise sogar bis in den Duden geschafft hat. Aber wahrscheinlich geht es Ihnen so wie mir: Ich habe davon (bis vor Kurzem) noch nie gehört und es erst recht noch nie benutzt.

Übrigens ist das nicht nur im Deutschen so. Die allermeisten Sprachen kennen kein Wort für den Gegensatz von „Durst“.
Warum eigentlich?

Die philosophisch-theologische Antwort lautet: Weil es diesen Zustand keinen Durst zu haben im tiefsten Sinn gar nicht gibt.
Unser größter Durst, der Durst nach Leben, kann nie ganz gestillt werden.

Jesus hatte dafür ein gutes Gespür. Er wusste um den Lebensdurst der Menschen – oft besser als sie selbst.
„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben“, sagt er im heutigen Sonntagsevangelium. (Joh 4,5-42)

Kein Wunder, dass die Frau antwortet: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“
Offenbar hat sie Jesus doch falsch verstanden, die Frau am Brunnen. Denn Jesus spricht von einem Durst, den man mit Wasser nicht stillen kann.
Den Durst nach Liebe.
Fünf Männer hast du gehabt. Und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.

 Der eigentliche Durst ist unstillbar, nicht nur in dieser Frau.
Der Durst nach Nähe.
Der Durst nach Anerkennung.
Der Durst nach Leben.

Allerdings ist nicht jeder Durst ein vertrauenswürdiger Führer.
Es gibt auch den Durst nach Reichtum.
Den Durst nach Macht.
Durstgefühle können auch in die Abhängigkeit führen. Nicht nur beim Durst nach Alkohol.

Sogar der Durst nach Gerechtigkeit kann umschlagen in Fanatismus.

Welcher Durst ist gut?
Welcher Brunnen, welche Quelle, an der wir unseren Durst stillen, ist vertrauenswürdig?

 

Die Lesungstexte an diesem Sonntag führen uns zu einem zentralen Thema gerade in der Fastenzeit:

  • Wie steht es um meinen Durst nach Leben,
    den Durst meines Herzens?

  • Weiss ich, wonach mein Herz, meine Seele wirklich dürstet?

  • Wo greife ich nach den falschen Durstlöschern?
    Wo mache ich mich „besoffen“ im Überangebot unserer Konsumgesellschaft?

  • Worin besteht mein Durst?
    Und wo sind meine Quellen mit lebendigem Wasser?

 

In einer Exerzitienwoche (d.h. einer Woche der geistlichen Einkehr) im Kloster sagte die Benediktinerin, die uns begleitete, dazu:

Jesus spricht wom Wasser des Lebens.
Unser modernes Problem ist, dass wir uns längst an pappsüße Limonade gewöhnt haben.
Die schmeckt auf den ersten Schluck sicher besser als pures Wasser - aber sie löscht eben auf Dauer nicht unseren Durst.

Ein schönes Bild für die Fastenzeit und deren tieferen Sinn:
Wo löschen wir unseren Lebensdurst mit pappsüßer Limonade - statt mit dem eigentlichen Wasser des Lebens.

 

Vielleicht ist es ja gut, dass es kein Wort gibt für das Gegenteil von durstig, damit wir aufmerksam bleiben für unseren wirklichen Lebensdurst.
Damit wir auf der Suche bleiben nach der eigentlichen Quelle - und dem Wasser, das wirklich unseren Durst stillt.

=====================================================================

Du, mein Gott, 
bist wie eine sprudelnde Quelle,
die mich erfrischt
und meinen Durst stillt.

Du bist wie
ein Strom klaren Wassers,
der neues Leben
ermöglicht.

Du bist der Grund
der mich trägt
Du bist meine Zuflucht.

Katharina Wagner
www.pfarrbriefservice.de

=========================================================

Herzliche Grüße,
Ihr
Ulrich Lühring