Willkommen in der Pfarrei St. Barbara Breinig
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Geistlicher Impuls zum Sonntag - 15. März 2026

Der Mensch sieht nur, was vor Augen ist. Gott sieht das Herz.

gott im herzen_06_by_Christian-Schmitt_pfarrbriefservice (c) Christian Schmitt (pfarrbriefservice.de)
gott im herzen_06_by_Christian-Schmitt_pfarrbriefservice
Datum:
Fr. 13. März 2026
Von:
Ulrich Lühring

Erinnern Sie sich, wie lange Sie heute Morgen im Bad gebracht haben, um sich fertig zu machen.
Es streiten ja die Gelehrten, wer länger im Bad braucht: Männer oder Frauen.
Sicher werden Sie mir aber alle Recht geben, dass es uns nicht egal ist, wie wir aussehen.

Und darum gibt es in den allermeisten Wohnungen einen Spiegel im Flug, damit man noch einen kurzen Blick hineinwerfen kann („Wie sehe ich aus?“) bevor man aus dem Haus geht.

Und das aus gutem Grunde.
Psychologen sagen: Die ersten Sekunden einer Begegnung entscheiden darüber, ob wir jemand sympathisch finden oder nicht.

Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen – wusste die Oma schon.

 

Wissenschaftler haben das genauer untersucht und kamen zu dem Schluss:
Menschen, die dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen, werden nicht nur als sympathisch empfunden, sie gelten auch als klüger, als leistungsfähiger, als erfolgreicher.

Und nicht nur das: Sie haben im Bewerbungsgespräch die besseren Chancen.
Sie bekommen die besseren Posten.
Sie verdienen mehr Geld.

Klar – es kommt nicht nur auf das Äußere an, aber der erste Eindruck entscheidet sehr oft.
Und dagegen können wir uns auch gar nicht wehren.

 

So geht es auch dem Propheten Samuel in der heutigen Sonntagslesung.
Er erhält von Gott eine besondere Lektion, weil auch er sich vom ersten, äußeren Eindruck leiten und verleiten lässt.

Samuel hat von Gott den Auftrag bekommen, den nächsten König von Israel zu salben.
Dazu soll er zu einem gewissen Isai nach Bethlehem gehen. Einer von dessen Söhnen soll es sein.
Nur welcher, das weiß Samuel nicht.

Als Samuel den ältesten Sohn, Eliab, sieht, denkt er: „Das ist der Richtige“.
Der Älteste.
Ein großer, stattlicher Kerl.
Der muss es sein.

Aber er muss lernen: Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist.
Gott aber sieht das Herz.

So geht es Samuel sieben Mal. Erst der achte Sohn Isais ist der erwählte König.
Der kleine David, der gerade mal gut genug war zum Schafe hüten, den alle für so unwichtig hielten, dass sie gar nicht auf die Idee gekommen waren, ihn zu rufen.

Nun könnten aufmerksame Leser unter Ihnen einwenden: Aber stand da nicht in der Lesung David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt?

Gut aufgepasst!
Aber erstens sagen uns die Bibelwissenschaftler, dass dieser Satz mit großer Wahrscheinlichkeit ein späterer Einschub war; weil spätere Generationen der Meinung waren: Es kann doch nicht sein, dass der große König David nicht auch schon als Kind ein schöner Mensch war.
Und zweitens ist doch gerade die Pointe dieser Geschichte, dass alle, nicht nur Samuel, auf diesen David als Allerletzten kommen. Nach menschlichen Kriterien kam David für den Posten eben nicht in Frage.

Genau darum geht es in dieser Lesung zur „Halbzeit der Fastenzeit“: Die Reichen, die Schönen, die Klugen, die also mit „stattlicher Gestalt“ stehen oft im Rampenlicht.
Vergessen werden aber viel zu oft die Kleinen, die Armen, die Schwachen.
Die Lesung stellt unsere Maßstäbe in Frage und lädt uns zu einem Denkwechsel und Richtungswechsel ein.

Antoine de Saint Exupery hat es in einem bekannten Zitat so formuliert:
Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

 Wenn wir das Evangelium von der Heilung des Blinden mit dazunehmen, könnte man auch so sagen: Vielleicht sind wir ja die Blinden, weil wir nicht mit dem Herzen sehen…
Vielleicht geht es ja auch um unsere Heilung, dass wir sehend werden.

Die Psychologie sagt:
Wir teilen die Menschen ein, in Sekundenschnelle:
Schön – weniger schön – hässlich.
Attraktiv – weniger attraktiv – abstoßend.

Das geschieht unbewusst.
Dagegen können wir nichts machen.

Aber wir können es uns bewusst machen.
Wir können einen anderen Blick trainieren.

Achten Sie in der kommenden Woche doch einfach mal darauf, mit welchem Blick sie Menschen ansehen.
Wie Sie Menschen einschätzen.
Wie Sie Menschen beurteilen.

Und versuchen Sie doch hin und wieder, den Blick Gottes auf diesen Menschen zu erahnen.
Der Mensch sieht, was vor Augen ist.
Aber Gott sieht das Herz.

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Wir gehen im Namen Gottes,
des Gottes, den wir Vater nennen,
von dem wir glauben,
dass er gute Augen hat,
gute Vateraugen.

Keine Augen wie ein Röntgenapparat
oder Augen wie ein Kriminalbeamter.
Er sieht uns gut und übersieht auch vieles –
wie ein guter Vater und eine liebende Mutter.

 

Wir gehen auch im Namen Jesu,
der gute Augen hatte,
der die Menschen mit guten Augen ansah

und der immer mit seinen Augen
auf Seiten derer stand,
die von anderen schlecht gesehen,
schlecht gemacht
oder überhaupt nicht gesehen wurden.

 

Und wir gehen im Namen des Heiligen Geistes,
von dem wir zwar nicht gehört haben,
dass er gute Augen haben soll.
Aber was wäre schon ein guter Geist
ohne gute Augen?

Wohl haben wir von diesem Heiligen Geist gehört,
dass er unsere Augen verwandeln kann,
wenn wir wollen, dass wir gut sehen,
andere Menschen gut sehen
und nicht so schwarz.

Den Text habe ich in meinem "Archiv" gefunden - 
leider ohne Autoren- und Quellenangabe.
Daher: Autor (mir) unbekannt

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Vielleicht gelingt es uns ja in der kommenden Woche dieser Fastenzeit, öfter als sonst "mit den Augen des Herzens zu sehen". Es würde den Menschen gut tun, denen wir begegnen - und uns selbst auch.

Herzliche Grüße,
Ihr
Ulrich Lühring